Montag, 14. Juli 2008

„Mamma Mia!“ (Kinostart: 17. Juli 2008)

Ein Artikel aus dem „Meißner Tageblatt“:

Abgesehen von der „Rocky Horror Picture Show“ gilt es gewöhnlich als Unart, während einer Kinovorstellung zu plappern, zu singen oder gar unvermittelt zu applaudieren. Es sei denn, man sitzt im neuen Film der britischen Regisseurin Phyllida Lloyd, ist ABBA-Fan und in Stimmung für eine zweistündige Riesensause.

Weltweit etwa 30 Millionen Zuschauer konnte das Musical „Mamma Mia!“ seit seiner Erstaufführung im März 1999 begeistern, nun versuchen sich u.a. Meryl Streep, Ex-Bond Pierce Brosnan, Colin Firth und Julie Walters im Tanzen zu, Singen von und Leben nach Songs der wohl bekanntesten schwedischen Popband Abba.
Inmitten einer idyllischen Mittelmeerinsel laufen die Vorbereitungen zur Traumhochzeit von Sophie (Amanda Seyfried), der Tochter von Donna (Streep), die in ihrer Jugend nicht wenige Verehrer hatte. Drei davon könnten möglicherweise der Vater von Sophie sein, die sich nichts sehnlicher wünscht, als von ihrem männlichen Elternteil zum Altar geführt zu werden. Also lädt sie kurzerhand jene drei Kandidaten zur Hochzeit, natürlich ohne ihrer Mutter etwas davon zu verraten. Sowohl Sam (Brosnan) als auch die nicht weniger ansehnlichen Harry (Firth) und Bill (Stellan Skarsgård) ahnen bei ihrer Ankunft noch nichts von ihren (väterlichen) Pflichten, doch das Chaos lässt selbstverständlich nicht lange auf sich warten.

Gespickt mit unzähligen Gesangseinlagen, überzogener Theatralik und einigen schockierenden Kostümen, die nicht an jedem Darsteller wirklich schön aussehen, ist „Mamma Mia!“ ein absoluter Gute-Laune-Film. Herrlich hemmungslos, kindlich und unbeschwert schweben die Darsteller trällernd durch romantisch-kitschige Szenen und fügt sich jeder Abba-Song wunderbar in die Handlung ein.
Fazit: Angucken, Mitsingen, Spaß haben!

„So ist Paris“ (Kinostart: 17. Juli 2008)

Ganz schön gewagt, was das Filmplakat da behauptet: „Ein bisschen Paris steckt in jedem von uns.“ Und damit auch jeder Zuschauer etwas zum Identifizieren hat, präsentiert Cédric Klapisch („L´Auberge Espagnole“, 2002/2005) gleich ein halbes Dutzend Hauptdarsteller, die alle in einer anderen Lebensphase (fest)stecken und versuchen, ihren Alltag zu bestehen.

Klapisch präsentiert somit nichts weiter als eine weitere Fortsetzung seiner „Espagnole“-Reihe, diesmal mit Juliette Binoche als zweitem bekannten Gesicht neben Romain Duris, dem Xavier aus eben jenen WG-Filmen. Mal romantisch, mal traurig lässt er den Zuschauer teilhaben am hippen Leben in der französischen Hauptstadt, behandelt dabei jedoch nicht alle Episoden mit derselben Sorgfalt. So langweilt vor allem die nichtssagende Odyssee eines illegal eingewanderten Kameruners, die weder zu Ende gedacht ist, noch die anderen Geschichten in irgendeiner Weise beeinflusst.

Schlecht ist „So ist Paris“ deshalb nicht, wirklich Neues, etwas typisch Französisches oder gar Außergewöhnliches hat aber auch Klapisch nicht zu berichten. Insofern stimmt es schon: „Ein bisschen Paris steckt in jedem von uns.“ Und Dresden und Berlin und Freital…

„Get Smart“ (Kinostart: 17. Juli 2008)

Haha, wie unlustig! Seit einiger Zeit wird mir Steve Carell als DER neue Comedian Hollywoods verkauft, der hinter seinem braven Aussehen einen Gag nach dem anderen verbirgt. Genau: verbirgt! Nach „Get Smart“, meinem dritten Carell-Film (nach „Evan Almighty“, „Jungfrau (40), männlich, sucht…“), stelle ich fest: Dieser Typ ist so witzig wie ein Darmverschluss.

Laut Pressebeipackzettel zum Film (und womöglich zum Verständnis der „Gags“) war „Get Smart“ in den 1960er Jahren eine sehr erfolgreiche TV-Serie, die das Agenten-Film-Genre verballhornte und mit Mel Brooks einen der bekanntesten Komiker als geistigen Vater vorweisen konnte. Nun also eine Neuauflage, die laut Produzent „in unsere Zeit passt, mit Actionsequenzen, die nicht nur dazu dienen, die Gags zu unterbrechen, sondern sich auch in jedem anderen Thriller sehen lassen könnten.“ Und tatsächlich: Es kracht gewaltig auf der Leinwand. Viel heiße Luft, jedoch ohne Substanz.

Ein kurzer inhaltlicher Abriss: Maxwell Smart (Carell) ist Geheimagent und soll nach einem terroristischen Angriff auf seine Chefetage (in Person: Alan Arkin) das Verbrechersyndikat KAOS (in Person: Terence Stamp) auslöschen. Hilfe bekommt er dabei von Kollege Agent 23 (Dwayne „The Rock“ Jackson) sowie Agentin 99 (Anne Hathaway).

Haha, wie unlustig! Agent 23 läuft gegen eine Tür, zwei Computerfreaks statten seinen Kollegen derweil mit Bond-Goodies aus (ein Taschenmesser mit eingebautem Flammenwerfer) und Agentin 99 verrenkt ihren sexy Körper im Catherine Zeta-Jones-Style („Verlockende Falle“) um durch ein Labyrinth aus Laserstrahlen zu kommen, während Smart ihr auf den Hintern starrt. Gespickt wird das ganze Szenario mit vermeintlich witzigen Kommentaren des Helden, die jedoch so vorhersehbar und öde sind, dass man –wenn überhaupt- nur aus Verlegenheit darüber lächeln kann.

Ich habe nun wirklich nichts gegen Nonsensszenen, wie sie beispielsweise in den „Nackte Kanone“-Filmen (Teil 3 übrigens ebenfalls von Regisseur Peter Segal) zu hauf vorhanden waren. Aber selbst ein Bill Murray, der sich in einem Baumstamm versteckt, kann hier nichts reißen.
Steve Carells Humor ist der des stillen Beobachters, der regungslos seine (gähnend-langweiligen) Kommentare verkündet und dadurch komödiantischen Tiefsinn vorgaukelt, der einfach nicht vorhanden ist. Es ist schon bezeichnend, dass es gerade mal eine Szene geschafft hat, mich wirklich zum Lachen zu bringen. Umso schlimmer, da eben jene Szene genau darauf aufbaut, was ich gewöhnlich an amerikanischen Komödien verabscheue: Fäkalhumor (in diesem Fall eine glücklicherweise weniger eklige Toilettenszene).

Fazit: Wer die „Austin-Powers“-Filme mochte, wird sich in diesem Film wohlfühlen. Alle anderen lade ich demnächst zu einem Triple-Feature der „Nackte Kanone“-Werke ein. Haha, wie lustig!

„Unter Kontrolle“ (Kinostart: 17. Juli 2008)

Mit berühmten und künstlerisch anerkannten Familienmitgliedern ist das so eine Sache. Ist einer aus der Sippe erfolgreich, wird Talent meist gleich auf alle Geschwister und Kindeskinder mit übertragen. Dies kann sich bestätigen (siehe Regisseurin Sofia Coppola, Tony & Ridley Scott), in einigen Fällen jedoch ebenso als Wunschdenken herausstellen (siehe Schauspielerin Sofia Coppola). Jennifer Lynch, Tochter von David Lynch („Blue Velvet“, „Mulholland Drive“), ist nach einem weiteren Film wie „Unter Kontrolle“ wohl der letzteren Kategorie zuzuordnen.

Aber vielleicht ist es auch in ihrem zweiten Film wieder nur ein Ausrutscher, eine unsortierte Ansammlung ausgefallener Ideen, die lediglich in einen passenden Rahmen gepresst werden müssen um nebeneinander zu funktionieren. „Unter Kontrolle“ möchte ein spannender Thriller mit psychologischem Tiefgang und Anspielungen auf „Rashômon“ (Akira Kurosawa, 1950) sein, verwechselt jedoch Inhalt mit Unglaubwürdigkeit, Suspense mit Gewalt und Spannung mit (vermeintlichen) Schockmomenten.

Auf einem Highway mitten im Nirgendwo kommt es zu seltsamen Todesfällen unter den Durchreisenden. Zur Unterstützung bei den Ermittlungen schickt das FBI der örtlichen Polizei zwei Agenten (Julia Ormond, Bill Pullman), die bei der Befragung von vermeintlichen Zeugen helfen sollen. Schlüsselfigur ist dabei das Mädchen Stephanie (Ryan Simpkins), das dem Täter entkommen ist und nun zusammen mit einer weiteren Überlebenden verhört werden soll. Mit anwesend sind dabei auch jene zwei Cops, die zuvor aus purer Langeweile die Reifen vorbeifahrender Autos zerschossen und Stephanies Eltern belästigten haben.

Sehr schnell wird während des Verhörs deutlich, dass alle Beteiligten eine andere Sicht auf die Vergangenheit haben. Welche Version letztendlich die wahre ist, soll der Zuschauer am Ende erfahren – leider in einem solch absurden Schlusstwist verpackt, das es schlichtweg lächerlich und sehr verkrampft wirkt.

Bemüht wirken ebenso die Darsteller, die ihre Rollen allesamt mit kleinen Macken ausstatten, als Sympathieträger aber überhaupt nicht funktionieren. Und genau hier liegt wohl auch das größte Manko von „Unter Kontrolle“: Wenn keiner der Protagonisten glaubhaft agiert, weshalb soll die eine finale Auflösung dann die richtige sein? Ist sie nicht womöglich auch nur ein weiteres Hirngespinst einer Person, Wunschdenken des Täters? Nicht weniger plausibel wäre die Behauptung, den Autoren (Jennifer Lynch & Kent Harper) seien schlicht die Ideen ausgegangen, weshalb die „schockierendste“ am Ende den Vorzug bekam.

Möglicherweise wäre dies auch noch zu ertragen, würde die Umsetzung nicht den letzten Rest „Atmosphäre“ zerstören. Lynch traut dem Publikum und dessen Phantasie nicht und wechselt während des Verhörs ständig zurück an den Ort des Verbrechens, um das soeben Gesagte bildlich zu untermalen. Leider tut sie dies so drastisch und blutig, dass jeder Ansatz von Spannung durch Ekel und Abscheu ersetzt wird.

Keine wirkliche Empfehlung, wer´s jedoch deftig und wenig plausibel mag, kann sich „Unter Kontrolle“ gern antun.

Mittwoch, 2. Juli 2008

„Auge in Auge – Eine deutsche Filmgeschichte“ (Kinostart: 3. Juli 2008)

Eigentlich mag ich Dokumentationen im Kino überhaupt nicht. Von wenigen Ausnahmen („Höllentour“, „Am Limit“) abgesehen, die ob ihrer grandiosen Bilderflut nur auf der großen Leinwand ihre Wirkung erzielen, verschließt sich mir häufig der Sinn nach einer Kinoauswertung von – leider viel zu oft – dilettantisch gefilmten und zusammengesetzten Privatvideos irgendwelcher Möchtegernregisseure, die dank umtriebiger Verleiher wirklich jeden Schmus bebildern und im großen Rahmen aufführen müssen. Fürchterlich!
Insofern ist es schon ein Wunder, dass es mich zu einer Aufführung von „Auge in Auge“ verschlagen hat, den ich wider meiner eben formulierten Abneigung sogar empfehlen möchte. Sicherlich ist dies vor allem dem Thema des Werks geschuldet.

Michael Althen (hauptberuflich Filmkritiker u.a. für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“) und Hans Helmut Prinzler (u.a. Autor etlicher Monographien zum Thema Film, Direktor der Abteilung Film- und Medienkunst der Akademie der Künste) haben versucht, einen „Film über die Liebe zum Kino, ein Entdeckungsreise durch hundert Jahre deutscher Filmgeschichte“ zu machen (O-Ton Presseheft). Oder, um es mit der Exposition im Film selbst zu sagen: „Dies ist nicht DIE Geschichte des deutschen Kinos, sondern EINE Geschichte des deutschen Kinos. Auf jeden Film, der hier erwähnt wird, kommen hundert andere, die im Dunkeln bleiben.“

Nicht weniger als 250 (!) Filme (von 1895 - 2006) haben sie letztendlich für ihr knapp zweistündiges Werk ausgewählt, bedenkt man die Masse an Produktionen seit Beginn des deutschen Kinos, ist allein diese Zahl schon außergewöhnlich. Um das Publikum jedoch nicht zu erschlagen, haben sie für ihre Dokumentation einen einfachen, gleichwohl sehr unterhaltsamen „roten Faden“ gefunden: Sie befragten zehn Kollegen aus der Filmbranche nach ihren deutschen Lieblingsfilmen und verbanden die einzelnen Gespräche mit Filmschnipseln zu wunderbaren Themen wie „Telefonieren im deutschen Film“, „der Blick deutscher Schauspielerinnen“, „Schreien auf deutsch“, oder „so raucht man deutsch“.

Die Dokumentation erhebt – wie oben bereits erwähnt – niemals den Anspruch, vollständig zu sein. Auch ist es kein „Best of“ was hier präsentiert wird. „Auge in Auge“ ist eine amüsante Reise quer durch Genres, Jahre und dem, was zig Regisseure zum deutschen Kino beigetragen haben. Für Kenner zudem die perfekte Möglichkeit, sich beim fröhlichen Filmeraten zu testen (aber bitte leise und nicht zum Leidwesen der anderen Kinobesucher!).
Gerade jene kurzen Zwischenspiele aus endlosen Filmszenen sind es, die „Auge in Auge“ davor bewahren, „nur“ Publikum mit Hintergrundwissen anzusprechen. Denn so interessant und spannend die zehn Interviews mit den Filmschaffenden auch sind, nicht jeder wird deren Filmgeschmack teilen und ihnen bei ihren Lobhudeleien folgen können.

Aber wer sind diese zehn Auserwählten überhaupt? Es sind Regisseure (Tom Tykwer, Andreas Dresen, Christian Petzold, Dorris Dörrie, Caroline Link, Wim Wenders, Dominik Graf), ein Kameramann (Michael Ballhaus), sowie Autoren (Wolfgang Kohlhaase, Hanns Zischler). Namen, die Filmfans sicherlich ein Begriff sind. „Unwissenden“ sei hiermit bestätigt, dass diese zehn Personen zu den talentiertesten und auch bekanntesten Filmemachern der Republik zählen.

Fazit: „Auge in Auge“ ist ob seines Themas definitiv eine Dokumentation für´s Kino. Wer wie ich selbst jedoch bei solchen Aussagen noch zögerlich ist, dem sei ein Blick auf die offizielle Seite zum Film empfohlen (www.augeinauge.de), wo Trailer und Pressematerial (im Presseheft auch eine Auflistung aller zitierten Filme) zu finden sind und einen passenden Eindruck des Werks vermitteln.