Mittwoch, 22. April 2009

„Defiance - Unbeugsam“ (Kinostart: 23. April 2009)

Die Suche scheint beendet - zumindest für Edward Zwick, der sein bevorzugtes Themenfeld als Regisseur nun endlich gefunden hat. „Mut zur Wahrheit“ (1996), „Ausnahmezustand“ (1998) und „Blood Diamond“ (2006) sind zwar alle dem Thrillergenre zuzuordnen, jedoch stets mit einem politischen Subplot versehen, die sie aus der Masse herausstechen lassen und somit mehr darstellen, als anspruchslose Ware von der Stange.

Ebenso verhält es sich nun mit „Defiance - Unbeugsam“, auf den ersten flüchtigen Blick wiederum ein Actionfilm, bei genauerer Betrachtung jedoch ein zwar schon oft behandeltes, trotz allem aber fesselndes und trauriges Abbild menschlicher Verhaltensweisen in Situationen großer Not.

Vordergründig behandelt „Defiance“ die wahre Geschichte einer jüdischen Partisanenkampftruppe, die sich 1941 in den Wäldern Weißrusslands versteckte und den gewaltsamen Widerstand gegen die deutschen Besatzer wagte. Unter der Führung dreier Brüder, Tuvia (Daniel Craig), Zus (Liev Schreiber) und Asael (Jamie Bell) Bielski, gelang es nicht nur, den Nazis empfindliche Verluste zuzufügen, sondern auch die Rettung von etwa 1200 jüdischen Kindern, Frauen und Männern vor dem sicheren Tod.

Dreckig, blutig und sehr explizit stellt Zwick diesen Kampf dar, bei dem es um nicht weniger als das nackte Überleben geht. Zwar kracht, scheppert und knallt es dabei an allen Ecken und Enden, doch selbst für hartgesottene Fans von Action- und (Anti-)Kriegsfilmen dürfte das Lachen ob der traurigen Hintergründe mehr als einmal im Halse steckenbleiben. Und das ist auch gut so! Denn zwischen den vielen verlustreichen Kriegsszenen entspinnt sich auf engstem Raum die ganze Problematik der menschlichen Spezies. Zum spartanischen Leben in den kalten Wäldern verdammt, beginnen die Bielskibrüder mit dem Aufbau einer Notgemeinschaft, errichten Holzhütten und ernähren sich von Gaben wohlgesinnter Helfer oder gestohlenen Lebensmitteln.
Es dauert nicht lange, und erste Rivalitäten zwischen den Bewohnern entstehen, Fragen nach der Richtigkeit ihres Handelns kommen auf und die inzwischen massiv angewachsene Truppe muss sich entscheiden, ob sie zusammen mit den Russen, die sie zuvor ja ebenso verfolgt und misshandelt haben, gemeinsam in den Krieg zieht oder weiterhin allein den fast aussichtslosen Kampf fortführt. Aggressionen wachsen an, Ungunst, Gewalt und Gleichgültigkeit gegenüber schwächeren Gruppenmitgliedern bestimmen in zunehmendem Maße den Alltag.

So entwickelt sich „Defiance“ zu einem moralischen Lehrstück, das viele Fragen zwischenmenschlicher Beziehungen vor dem Hintergrund historischer Ereignisse aufwirft. Dafür gebührt Regisseur Zwick und seinem Co-Autor Clayton Frohman Respekt, den ihnen hoffentlich viele in Form eines Kinobesuchs zollen werden. Auch, weil Zwick einer der wenigen Filmemacher ist, die versuchen, das Actionfilmgenre von seinem Image als tumbes, ideen- und anspruchsloses Unterhaltungskino zu befreien.

Dienstag, 21. April 2009

„Public Enemy No.1“ (Kinostarts: 24. April & 21. Mai 2009)

Liebe Leser dieses Blogs,

ohne - wie am Beginn einer Rezension üblich – ein kurzes Vorwort zu formulieren, möchte ich diesmal sofort „in medias res“ gehen: „Public Enemy No.1“ ist ein Epos, welches 2009 keinem Kino- und Filmfan entgehen sollte. Es ist das Opus Magnum eines vergleichsweise noch sehr jungen französischen Regisseurs namens Jean-François Richet (42), der erstmals im Jahr 2001, mit einem Remake von John Carpenters Klassiker „Assault On Precinct 13“ (1976), internationales Aufsehen erregte und nun mit einem zweiteiligen Meisterwerk zurückkehrt.

Neun Monate Drehzeit benötigte das filmische Porträt des wohl bekanntesten französischen Schwerverbrechers Jacques Mesrine, der von den 1960er bis Ende der 1970er wütete, dabei unzählige Banken ausgeraubt, über 40 Menschen getötet und etliche Ausbrüche aus staatlichen Gefängnissen hinter sich gebracht hat. Ein Medienstar, ein Berserker, ein 1979 schließlich auf offener Straße von der Polizei hingerichteter Mann, dessen Gewalttätigkeit noch heute ihresgleichen sucht.

Richet setzt diesem Teufel aus Fleisch und Blut kein Denkmal, sondern entwirft anhand seines Lebenslaufs ein präzises, spannendes und mitreißendes Gemälde eines Staates, der der Ruhm-, Geld-, und Gewaltsucht einer einzelnen Person fast vollständig ausgeliefert war und am Ende selbst zum Täter werden musste, um diesen „Staatsfeind Nummer eins“ zu stoppen.

Vincent Cassel erweist sich dabei als Idealbesetzung und meistert nicht nur die charakterliche Entwicklung Mesrines, sondern vor allem auch dessen physische Veränderungen mit Bravour. Erinnerungen an Robert De Niro in „Wie ein wilder Stier“ werden geweckt, sei es aufgrund der Gewichtsveränderungen im Laufe der Dreharbeiten, oder der offensichtlichen Vorliebe Cassels für extreme Charaktere („Dobermann“, Irréversible“). An seiner Seite wirken selbst Gérard Depardieu, Cécile De France, Mathieu Amalric oder Ludivine Sagnier nur wie Statisten, obgleich sie die beiden Filme mit ihren Auftritten veredeln.

Während Teil eins („Mordinstinkt“, Start: 24. April) den Aufstieg Mesrines in der Unterwelt Frankreichs thematisiert, widmet sich Teil zwei („Todestrieb“, Start: 21. Mai) vornehmlich seinem Spiel mit den Medien und der Suche nach dem Sinn seines Handelns. Richet inszeniert beide Teile grundverschieden, nutzt verschiedene stilistische Mittel und überträgt somit das Konzept von Tarantinos „Kill Bill“ auf das europäische Kino.

Vielleicht ist dies auch - trotz inhaltlicher Entfernung - der einzig legitime Vergleich, der die großartige Umsetzung von „Public Enemy No.1“ sinngemäß widerspiegelt: Eine einzigartige Tour de Force, zu Beginn (Teil eins) eine nicht enden wollende Gewalteruption, eingefangen in einer genialen Optik, die alle Stilmittel des Actionkinos zu nutzen weiß, am Ende (Teil zwei) die Besinnung auf klassisches Filmemachen, das die Charaktere in den Vordergrund stellt.

Einziger Wermutstropfen: Jean-François Richet hat mit diesem Werk seinen Zenit als Regisseur bereits erreicht, besser kann es nicht mehr werden. Ergo: Absolutes Pflichtprogramm!

DVD-Tipp: „2er Ohne“ (VÖ: 27. März 2009)


Beim Kinostart im Oktober 2008 kaum wahrgenommen, erscheint mit „2er Ohne“, nach „Die Einsamkeit der Krokodile“ (2000), nun das zweite Werk des gebürtigen Hannoveraners Jobst Christian Oetzmann auf DVD. Hauptsächlich als TV-Regisseur tätig, wagte er sich nach seinem Erstling für´s Kino hierbei ein weiteres Mal an eine Vorlage des Spiegel-Redakteurs Dirk Kurbjuweit und macht daraus einen sehenswerten, wenn auch inhaltlich etwas zu vorhersehbaren 90Minüter.

Das große Plus dieses Dramas um Freundschaft, Loyalität und Vertrauen ist zweifellos das Hobby, welches die beiden Jungs Johann (Tino Mewes) und Ludwig (Jacob Matschenz) verbindet und das Grundgerüst der Geschichte bildet: das Fahren im „Zweier Ohne“, einem schmalen Boot ohne Steuermann. Dabei rudert jeder Fahrer auf jeweils nur einer Seite, weshalb die Armkraft beider nahezu gleich sein muss, da das Boot andernfalls nicht geradeaus fahren würde. Eine Teamsportart in Reinkultur sozusagen, bei der jeder von der Leistung des anderen abhängig ist.

Ludwig gibt sich auf dem Schulhof gern als Außenseiter, erweckt gerade damit jedoch das Interesse von Johann, der bei seiner alleinstehenden Mutter lebt und ebenso wie sein neuer Freund vom Wassersport begeistert ist. Nach ersten gemeinsamen Trainingsrunden folgen bald schon die verdienten Erfolge bei Wettkämpfen, die zarte Annäherung vom Beginn entwickelt sich zu einer festen Männerfreundschaft.
Doch Ludwig hat seine Eigenarten: Er rebelliert offen gegen seinen Vater und verabscheut seine Schwester Vera, die er hin und wieder nicht nur verbal verletzt. Einzig die Bindung zu Johann scheint für ihn einen Wert zu haben, weshalb er jeden Versuch von außen, in diese enge Bande einzudringen, mit deutlichen Worten und Gesten unterbindet. Stattdessen überredet er seinen Ruderpartner zur gemeinsamen Haarrasur, arrangiert für beide ein Schäferstündchen mit demselben Mädchen und besorgt sogar einheitliche Klamotten. Zwillinge sollen sie werden, die gleich handeln, leben und Erfolg haben – so zumindest sein Plan.
Als sich Johann in Vera verliebt, gerät Ludwigs Weltbild jedoch ins Wanken und treibt ihn zu einer Verzweiflungstat.

Gleiches Aussehen, gleiche Liebschaften, gleiches Hobby: „2er Ohne“ zeigt auf sehr einfache, gleichzeitig glaubhafte Weise, wie sehr sich die beiden Jungs sukzessive im Verhalten und Auftreten angleichen. Sie werden fast zu Geschwistern, Zwillingen eben, die nichts und niemand auseinanderbringen kann. Im Hintergrund indessen streut das Drehbuch ebenso einige weniger offensichtliche Metaphern ein, die die Ungleichheit der beiden und die Unmöglichkeit der „Einswerdung“ symbolisieren: eine unfertige Brücke, das unabänderliche Rudern auf jeweils nur einer Seite (obwohl in die selbe Richtung reisend), das Leben des einen bei seiner Mutter, während der andere mit seinem Vater auskommen muss. Oetzmanns Film ist voll mit solcherlei Andeutungen und präsentiert dem Zuschauer somit ganz nebenbei die vielfältigen Möglichkeiten der Filmsprache.

Nicht weniger sehenswert agieren die beiden Hauptdarsteller, denen man ihre Unerfahrenheit vor der Kamera nur selten anmerkt und die glaubhaft sowohl die körperlichen als auch seelischen Entwicklungen ihrer Figuren transportieren. Als etwas zu aufdringlich hingegen entpuppt sich die musikalische Untermalung von Dieter Schleip („Der Rote Kakadu“, 2006) vor allem in der ersten Hälfte, die so offensichtlich auf die Attribute „hip“ und „außergewöhnlich“ schielt, dass es mitunter störend wirkt. Glücklicherweise nimmt sich Schleip später etwas zurück und gibt der hervorragenden Kameraarbeit von Tomas Erhart („Der neunte Tag“, 2004) Raum und Ruhe zur Wirkung.

Fazit: „2er Ohne“ mag zwar inhaltlich nicht der außergewöhnlichste deutsche Film des vergangenen Jahres sein, die solide und künstlerisch ambitionierte Umsetzung jedoch verdient es, gesehen zu werden.

P.S.: Zum Schluss noch ein Wort zur Ausstattung der DVD:
Neben einem Trailer zum Hauptfilm befindet sich lediglich ein kurzes Making-of-Feature auf dem Silberling. Dies ist mit etwa sieben Minuten Laufzeit zwar relativ kurz, beleuchtet aber sehr detailliert und informativ die Arbeit der Special-Effects-Crew, die an vielen Stellen im Film fast unbemerkt ihre Spuren hinterlassen hat.
Nicht akzeptabel indessen ist das völlige Fehlen von Untertiteln. Auch wenn es sich um eine einheimische Produktion handelt, die möglicherweise nicht für den ausländischen Markt vorgesehen ist, sollten zumindest Hörgeschädigte Zuschauer nicht vom Filmgenuss ausgegrenzt werden. Eine Nachlässigkeit, die immer wieder vor allem auf deutschen DVDs – trotz vorhandener Möglichkeiten – vorzufinden ist. Ärgerlich, unnötig, traurig.

„2er Ohne“ erscheint im Vertrieb der „AL!VE AG“ und kostet etwa 15 Euro.

Samstag, 18. April 2009

„Radio Rock Revolution“ (Kinostart: 16. April 2009)

Als der Rock´n´Roll in den Kinderschuhen steckte, war die Welt noch in Ordnung und die Rollenverteilung klar: Während das Jungvolk dem Gitarrengeschrammel ihrer Musikhelden lauschte, tanzte und den dazugehörigen Lebensstil in Kleidung und Benehmen auch öffentlich praktizierte, schüttelte das konservative Elternhaus den Kopf und erhoffte sich vom Staat einige durchgreifende Maßnahmen, um diesen Irrsinn zu beenden.

Das gelang gerade in Großbritannien recht schnell mit dem schlichten Ignorieren des Rock´n´Roll durch staatliche Musiksender. Etliche Unverbesserliche wichen daraufhin aufs offene Meer aus und produzierten auf schwimmenden Sendestationen als Piratensender ihr ganz eigenes Programm – mit durchschlagendem Erfolg.

Aus dieser Grundidee heraus, die auf wahren Ereignissen beruht, entwickelte Richard Curtis („Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, „Tatsächlich Liebe“) sein Drehbuch zu „Radio Rock Revolution“ – und versenkt das ganze Potential auf Kosten einer zwar durchaus amüsanten, musikalisch wunderbar unterfütterten, inhaltlich jedoch völlig belanglosen Aneinanderreihung von typischen „Drugs, Love & Rock´n´Roll“ Klischees. Dabei degradiert er einen der wahrscheinlich bedeutendsten Schauspieler unserer Zeit, Philip Seymour Hoffman, zu einer eindimensionalen Nebenfigur, besetzt Bill Nighy zum gefühlten 50. Male als alternden Dandy, der seine Rolle aus „Tatsächlich Liebe“ ohne große Anstrengung wiederholt und gibt beiden noch ein halbes Dutzend weiterer Darsteller an die Seite, die zwar alle sympathische Rotzlöffel mit tollem Musikgeschmack sind, aber ansonsten ebenso nichtssagend daherkommen wie ihre Kollegen.

Ganz gruselig wird es dann noch auf der Seite der „Feinde“: Kenneth Branagh als spießiger Minister, der es sich zur Lebensaufgabe macht, das „Radio Rock“-Schiff zum Schweigen zu bringen. Branagh spielt seinen Dormandy zwar stocksteif, humorlos und so dermaßen übertrieben, dass die nicht vorhandene Charaktertiefe der Figur kaum auffällt – retten kann er den Film trotzdem nicht.

Es ist einfach nur ärgerlich, wie wenig Autor und Regisseur Curtis aus dieser spannenden, realen Vorlage rausholt. Keine Reflexion, kein Annähern an die politischen Umstände jener Zeit, kaum auch nur ein Anflug von ernsthafter Auseinandersetzung mit der Materie. Als Partyfilm eignet sich „Radio Rock Revolution“ daher zwar wunderbar, selten jedoch ist eine tolle (wahre) Geschichte so offensichtlich für billige Lacher verschwendet worden.

Um am Ende noch einmal den Bogen zum Beginn zu schlagen: Heute ist die (künstlerische) Welt leider nicht mehr in Ordnung, denn andernfalls müsste die junge Generation (= Autor dieser Rezension) an dieser Stelle den einstigen Anhängern des Rock´n´Roll (= Regisseur) nicht vorwerfen, wie konservativ, brav und belanglos ihr Umgang mit ihrem eigenem Erbe inzwischen daherkommt.

„Crank 2: High Voltage“ (Kinostart: 16. April 2009)

Witzig, sarkastisch und mutig: Drei Eigenschaften, die das kleine Kinowunder „Crank“ (2006) auszeichneten, mit dem sich Hauptdarsteller Jason Statham unter Genrefans endgültig als einzig legitimer Nachkomme der Actionikonen Stallone und Schwarzenegger profilierte.

In einem Wahnsinnstempo schickten die beiden Regisseure und Ex-Werbefilmer Mark Neveldine und Brian Taylor darin ihren Helden auf wilde Mörderjagd, verleugneten jedweden Realismus und brachen am Ende gar mit einem absoluten Hollywoodtabu: sie ließen den Protagonisten sterben.

Wenn nun ein zweiter Teil, wiederum mit Statham als Chev Chelios, über die Leinwand fegt, so funktioniert dies nur unter einer Prämisse – der absoluten Negation von Sinn, Glaubhaftigkeit und gutem Geschmack. Ist diese Hürde jedoch erst einmal überwunden, erlebt der Zuschauer eine wilde Achterbahnfahrt an Stilmitteln, Gewalt und Nonsens.

Apropos: Inhaltlich variiert der Film kaum das Original, wieder ist der böse Chelios auf der Jagd nach noch viel böseren Gestalten, die ihm diesmal zwar kein Gift injiziert, dafür jedoch sein Herz genommen haben – im wörtlichen Sinne! Mit einem Kunstherz in der Brust hetzt er nun durch die Stadt, ständig auf der Suche nach einer Möglichkeit, die Batterie seiner Pumpe aufzuladen: an Stromkästen, Autos oder einfachen physikalischen Gegebenheiten folgend, wie beispielsweise der Reibung an anderer Menschen Körper.

Das alles ist herrlich subversiv, politisch unkorrekt und manchmal sicherlich auch etwas zu erzwungen, einem anspruchslosen, lustigen und kurzweiligen Filmabend aber durchaus genügsam. Nur schwindelfrei sollte man ob der Bilderflut schon sein.

Aus dem „Meißner Tageblatt“ vom 22. April 2009

Donnerstag, 2. April 2009

„Religulous“ (Kinostart: 02. April 2009)

Wer den „Gorilla-Style“ eines Michael Moore mag, wird „Religulous“ sicherlich ebenso amüsant und informativ in Erinnerung behalten. Zusammen mit „Borat“-Regisseur Larry Charles macht sich der amerikanische Comedian Bill Maher auf die Suche nach Sinn und Bedeutung von Religionen und forscht nach den Gründen, warum Menschen in aller Welt an Gottheiten glauben.

Schon der Titel dieser Quasi-Dokumentation verrät dabei, was die Filmemacher von Religionen, Göttern und deren Verehrung halten: Zusammengesetzt aus den Wörtern „religious“ (dt.: religiös) und „ridiculous“ (dt. lächerlich), ist „Religulous“ eine spitzzüngige, politisch-inkorrekte, sehr lustige Bestandsaufnahme zum Glauben im 21. Jahrhundert.

Keine Religion bleibt dabei verschont, offen und mit vielen schlüssigen Argumenten bringt Maher mehr als einmal Gläubige zum Grübeln und seltsame Überzeugungen ans Tageslicht. Auch scheut er sich nicht, vor dem Vatikan oder in Moscheen provokative Fragen zu stellen, was sich für den Zuschauer sowohl als informativ als auch amüsant entpuppt.

Doch leider verliert Maher mit zunehmender Laufzeit den Respekt vor seinen Gesprächspartnern, unterbricht sie uncharmant mit süffisanten Kommentaren und der Film driftet sukzessive in eine Ein-Mann-Show ab, die zugunsten einiger böser Witze den ernsten Anspruch und vor allem die Glaubwürdigkeit des Films und seines Moderators negiert. So verlässt man am Ende zwar gut gelaunt den Kinosaal, die wichtigen, interessanten und streitbaren Fragen vom Beginn sind dann aber schon vergessen.